Gutes QC in Asien

Ein Interview mit Frau Huang (CEO admatec Asien) über
Gutes QC in China trotz Corona &
wie deutsche Hersteller Probleme vermeiden können.

Hallo Frau Huang,

Sie leiten als CEO die asiatische Tochtergesellschaft des deutschen Display Herstellers admatec GmbH.

[...] Sie erwarten, dass
viele Unternehmen nun Qualitätsprobleme bekommen werden [...]

In der aktuellen Corona Situation rumort es bei den asiatischen Herstellern. Verzögerungen in den Lieferketten waren weltweit ein anfängliches Problem der Coronakrise. Sie erwarten als weiteres Problem, dass viele europäische Unternehmen, die direkt in Asien kaufen, nun Qualitätsprobleme bekommen werden.

 
Wie sehen Sie die aktuelle Situation bei den asiatischen Herstellern & welche Probleme gibt es in der Branche?

Huang: Ich beziehe mich hier auf Display und Touch Hersteller, viele der Beobachtungen kann man aber auch auf andere Zweige in China übertragen. Wie auch in Europa gibt es manche, die gut gewirtschaftet haben und auf jeden Fall durch die Krise kommen werden. Die meisten aus der Branche erlebten jedoch den totalen Lockdown im eigenen Land finanziell als sehr einschneidend und waren danach mit einem massiven Auftragseinbruch aus dem Ausland konfrontiert.

Dieser Auftragseinbruch wird sich nicht nur auf 2020 beschränken, sondern wirkt sich aufgrund der Rezession auch darüber hinaus aus. Dieser Überlebenskampf wird sich negativ auf die Lieferfähigkeit und die Produktqualität auswirken.

[...] Lieferanten oder auch Sublieferanten in finanziellen Schwierigkeiten, führen oft zu massiven Qualitätseinbußen bei den Produkten [...]

Was bedeutet diese Situation für europäischen Kunden?

Huang: Ich kann natürlich nur Tendenzen aufzeigen. Pauschalurteile über die ganze Branche kann niemand fällen.
Als positives Beispiel seien z.B. die meisten unserer Lieferanten genannt, bei denen ich mir keine Sorgen machen muss, dass diese die Krise nicht überstehen. Unsere gute Herstellerselektion wird dadurch ermöglicht, dass wir unsere Produzenten vor Ort kontrollieren, begleiten & mit ihnen eine sehr konstruktive Partnerschaft führen. Jedoch, selbst wenn man solche stabilen Lieferanten hat, dann kann es aktuell zu Verschiebungen bei den Sublieferanten kommen.

Es ist unabdingbar die Verhältnisse vor Ort zu kennen und zu kontrollieren. Gerade bei Partnerschaften, die nicht über Jahre gewachsen sind, kann man in China nicht immer darauf vertrauen, dass man über Änderungen, beispielsweise der Sublieferanten, informiert wird.

Eins ist klar, kommen Lieferanten oder auch Sublieferanten in akute finanzielle Schwierigkeiten, führen diese oft zu massiven Qualitätseinbußen bei den Produkten, die, sofern zu spät erkannt, eine Lawine an Extrakosten nach sich ziehen können.

Wer seine Displays oder Touches direkt aus Asien bezieht, sollte mit folgenden Szenarien rechnen:

Problem 1: Die Waren werden nicht geliefert, Sie erhalten keine klare Information warum und/oder wann.

1. Möglicher Grund: Mindestens ein Sublieferant Ihres Herstellers ist nicht in der Lage zu produzieren.

2. Möglicher Grund: Ihr Lieferant hat ein Liquiditätsproblem wodurch es bei seiner Lieferkette zu Problemen kommt.

Problem 2: Die gelieferte Ware weist eine schlechtere Qualität auf als vorher.

1. Möglicher Grund: Ihr Lieferant produziert nicht (mehr) selbst und gibt den Auftrag an einen anderen Produzenten weiter, den Sie aber nicht qualifiziert haben.

2. Möglicher Grund: Ihr Lieferant wechselt seinen Sublieferanten, ohne diesen ausreichend und nach ihren Vorgaben zu qualifizieren.


Wir sind aus den oben genannten Gründen in einer sehr guten Position, um Lieferungen von mangelhafter Ware so gering wie möglich zu halten, indem wir vor Ort bei unseren Produzenten Qualitätskontrollen durchführen oder bereits im Vorwege etwaige Änderungen in die Produktion einbringen. Dieser Service ist für unser Mutterunternehmen wichtig für die Sicherung der Qualität und der Zufriedenheit unserer Kunden.

Bieten sie diesen Service nur für Ihren Mutterkonzern an, oder wäre es denkbar diesen auch für einen weiteren Kundenkreis anzubieten?

Huang: Das wäre durchaus denkbar. Unser Mutterkonzern admatec Deutschland kam bereits auf uns zu, Sie erfuhren von einem Kunden, dass er sich um eine Second Source in China sorgte. Es gab in der Vergangenheit wohl schon häufiger Probleme mit dem Hersteller und es stellte sich ihm die Frage, ob alle Pläne eingehalten würden.

Da unser QC Team wieder ohne Einschränkungen innerhalb Chinas reisen durfte, haben wir mit dem Kunden in Deutschland Kontakt aufgenommen und besprochen wie wir unterstützen können. Letztendlich führten wir eine Prüfung durch, ob die Produktionsstätte vor Ort tatsächlich so arbeitet wie vom Produzenten behauptet und es wurde von uns eine Qualitätskontrolle der Displays vorgenommen.
Durch unseren Service gewann der Kunde Informationen über den tatsächlichen Stand der Dinge und damit Planungssicherheit.

In welchen Fällen ist diese Dienstleistung durch Ihre Mitarbeiter für einen europäischen Hersteller sinnvoll?

Huang: Alles, womit wir helfen können ein reales Bild über den Ist-Zustand abzugeben. Dinge, die der Kunde aus der Entfernung ohne vertrauenswürdige Leute vor Ort nicht einschätzen kann.

Des Weiteren für Kunden, die ihre Ingenieure oder Entwicklungsteams zur Zeit nicht nach China entsenden können– mal schnell rüber fliegen geht aktuell ja nicht. Unsere chinesischen Ingenieure sind vor Ort, um die Projekte zu betreuen oder wichtige Informationen beschaffen. Es soll schließlich trotz Krise für alle voran gehen.

Was genau können Sie prüfen?

Huang:

  • Wo sitzt der Lieferant bzw. Produzent wirklich? Hat er eine Fabrik, die auch tatsächlich das produziert, was der Kunde bestellt?

  • Stimmt die Menge und Qualität der bestellten Displays/Touches. Werden die genauen Spezifikationen eingehalten?

  • Warum werden die bestellten Waren nicht geliefert?

  • Gibt es Anzeichen dafür, dass der Lieferant in einer allgemein schwierigen Situation ist?
[...] ohne über die Expertise zu verfügen entsprechende Ungereimtheiten zu erkennen, sollte man immer ein gesundes Maß an Misstrauen mitbringen[...]

Mal aus dem Nähkästchen geplaudert, was kann bei einer solchen Kontrolle alles passieren?

Huang: Bevor wir einen neuen Produzenten in unser Portfolio aufnehmen, steht als erstes ein Besuch der Produktionsstätten an. Hier ist es uns schon passiert, dass wir von zwei unterschiedlichen „Produzenten“ innerhalb einer Woche zu ein und derselben Fabrik bestellt wurden. Lediglich das Firmenschild wurde ausgetauscht.
Wir hatten aber auch schon Betriebe, die uns durchaus präsentieren konnten, dass bei Ihnen Displays hergestellt werden, wir aber anhand der Maschinen ziemlich schnell erkennen konnten, dass die entsprechenden Displaygrößen aus dem Herstellerportfolio nicht dort gefertigt werden.
Das sind klare Anzeichen dafür, dass man, wie so oft in China, gar nicht mit dem tatsächlichen Hersteller, sondern mit einem Zwischenhändler spricht. Ein anderer Grund dürfte sein, dass der Herstellungsbetrieb nicht die Qualitätsstandards erfüllen kann, die er uns im Vorwege zugesichert hat.

Ohne jemals selbst mit fachkundigem Blick vor Ort gewesen zu sein, wird bei uns kein Hersteller ins Portfolio aufgenommen und auch in der weiteren Zusammenarbeit sind regelmäßige Besuche mit einem gesunden Maß an Misstrauen nötig. Diese Selektion führt letztendlich zu qualitativ hochwertigen Produkten ohne Problemkosten als Folge schlechter Qualität.